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- Hoc organum Dedit in hanc eclesiam Domina De Stein Wied et Runckel Comes: ad maxiamam gloriam Dei: fecit Joan Wilhelm Schöler habitavit Baad Embs. pastor pro tempore fuit Caesar: precebtor eo tempore in Dubio fuit hoc factum est Anno Salvatoris Nostris MDCCLVI. Die mensis Septembris 27t


Der Vertrag enthält folgende Angaben zur geplanten Gestalt der Orgel:

MANUAL (C-c3 = 49 Tasten) Untertasten Ebenholz, Obertasten Elfenbein, seitenspielig

1)   Principal Von Zinn in prospectu . . . . . . .   4.fuß.  
2)   Quinta dena Von holtz . . . . . . . . . . . . . . .   8.  
3)   Buordun im Bass gedact 8 im disc: c' offen . .   2. [2' = Länge der offenen c1-Pfeife]
4)   Quinta Von legirter materie 3/4 Bley 1/4 Zinn   3.  
5)   Octav materie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   2.  
6)   gems horn materie . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   4.  
7)   Floete travair metal . . . . . . . . . . . . . . . . .   4.  
8)   mixtur 3 fach c g c' repetirt . . . . . . . . . . .   1.  
9)   vox humana Von Zinn . . . . . . . . . . . . . . .   8.  
10)   tremulant ad lubitum . . . . . . . . . . . . . . . .      


PEDAL (C-f°)

1)   Principal Bass Von holtz . . . . . . . . . . . . . . 8.fuß
2)   Subbass gedeckt Von holtz. . . . . . . . . . . .   16.


Gehäuse sowie drei Spanbälge zu 7' x 4' (203 x 116 cm nach Schölerschem Maß) aus Tannenholz.

Ob die Disposition exakt nach dem Vertrag ausgeführt wurde, ist anhand der Quellen aus späterer Zeit nicht belegbar. 1874 wird eine Trompete genannt. Sie könnte über den Vertrag hinaus geliefert oder bei einer Erweiterung 1865 durch einen unbekannten Orgelbauer eingebaut worden sein.

Nachdem 1917 die Prospektpfeifen requiriert worden waren, ging 1924 fast das gesamte Material der Schöler-Orgel verloren, als Paul Faust ein neues Werk lieferte. Dieses fand in dem alten Gehäuse zu wenig Platz, so daß Faust lediglich die Front als Fassade für ein neues, breiteres Gehäuse benutzen konnte. Hierfür entfernte er die Rück- und Seitenwände, schnitt die ursprünglich bis zur Rückwand reichenden drei Turmhauben kurz hinter der Prospektfront ab und baute das gesamte Untergehäuse neu. Die Schleier und Ohren aus Lindenholz blieben erhalten.

1970 wich die Faust-Orgel einem gebraucht aus der Marktkirche Neuwied erworbenen Instrument. Das Orgel- und Glockenamt der Rheinischen Landeskirche war um die Erhaltung der historischen Gehäuseteile besorgt. Durch seine Vermittlung wurden sie der Firma Oberlinger in Windesheim überlassen, weil diese über die nötige Lagerkapazität verfügt.

1988 genügte die 1970 angeschaffte Gebrauchtorgel nicht mehr den gewachsenen musikalischen Ansprüchen der Gemeinde. Bei der Planung zu einem neuen Werk erinnerte man sich an das ehemals vorhandene Barockgehäuse. Als sich herausstellte, daß es noch immer in Windesheim deponiert war, wurden die Gebr. Oberlinger aufgefordert, ein Angebot zum Neubau einern Orgel in diesem Gehäuse auszuarbeiten.

Unabhängig von diesen Vorgängen arbeitete der Verfasser zur selben Zeit an seiner Dissertation über die Orgelbauwerkstatt Schöler in Bad Ems. Dem Hinweis nachgehend, im Lager der Firma Oberlinger sei ein anonymes, historisches Orgelgehäuse aus Altwied erhalten, konnte er durch Archivstudien Johann Wilhelm Schöler (1723-1793) als Erbauer ermitteln.

Richteten sich die Pläne der Gemeinde bisher ganz allgemein darauf, die historischen Gehäusefragmente zur Vollständigkeit zu ergänzen und eine stilistisch passende Orgel einbauen zu lassen, so konkretisierte sich nun der Wunsch nach einer Schöler-Rekonstruktion. Bei einer Exkursion zu gut erhaltenen Orgeln Johann Wilhelm Schölers waren die für das Projekt Verantwortlichen von der hohen handwerklichen und musikalischen Qualität sowie vom ausgeprägten Charakter dieser Instrumente beeindruckt. Eine möglichst exakte Rückführung auf den Zustand von 1756 wurde indessen insofern nicht angestrebt, als die überlieferte einmanualige Disposition den musikalischen Anforderungen nicht genügt hätte. Auch aus denkmalpflegerischer Sicht bestand keine Veranlassung, eine zweimanualige Orgel abzulehnen, weil deren Bau ohne Beeinträchtigung der Originalsubstanz möglich war.

Von der Planungsgrundlage ausgehend, die im Vertrag überlieferte Disposition nach Schölerschen Prinzipien zur Zweimanualigkeit auszubauen, erhielt die Orgel diese Disposition (Reihenfolge der Register nach der Stellung auf den Windladen):

HAUPTWERK (C, Cis-c3, Obermanual)


Principal   4'   75 % Zinn, vollständig im Prospekt
Bourdon   8'   C-h° Nadelholz gedeckt; ab c1 25 % Zinn offen, gedrückte Labien
Quintadena   8'   Nadel-, Birnbaum- und Eichenholz
Gemshorn   4'   25 % Zinn, konisch, Spitzlabien
Kleingedackt   4'   25 % Zinn, zunächst als Leerschleife geliefert, Pfeifen 2006 eingebaut
Quinte   3'   25 % Zinn, gedrückte Labien
Octave   2'   25 % Zinn, gedrückte Labien
Terz   1 3/5'   25 % Zinn, Principalmensur, gedrückte Labien
Mixtur 3fach   1'  
C                 1'   2/3'   1/2'  
          2'   1 1/3'   1'          
c1   4'   2 2/3'   2'                 25 % Zinn, gedrückte Labien
Trompete   8'   Baß und Diskant, Becher 25 % Zinn, Stiefel 40 % Zinn


ECHO (ohne Prospekt im geschlossenen Untergehäuse, Untermanual)

Großgedackt   8' Nadel- und Eichenholz
Salicional   4'   25 % Zinn, gedrückte Labien
Flaut travers   4'   25 % Zinn, gedrückte Labien, halbkreisförmige Aufschnitte, ab c1 überblasend
Nasard   3'   25 % Zinn, Bauart wie Gemshorn 4'
Waldflöte   2'   25 % Zinn, gedrückte Labien
Cimbel 3fach   1/2'  
C                           1/2'   1/3'   1/4'  
                  1'   2/3'   1/2'          
c1           2'   1 1/3'   1'                  
c2   4'   2 2/3'   2'                         25 % Zinn, gedrückte Labien
Vox humana   8'   Bass und Diskant, Becher 75 % Zinn
Kanaltremulant        


PEDAL (C, Cis-d1, Windlade freistehend hinter dem Orgelgehäuse)

Posaune   16'   Stiefel, Kehlen und Köpfe Nussbaum; Becher Nadelholz
Principalbass   8'   Nadelholz
Subbass   16'   Nadelholz


NEBENZÜGE

Koppel Echo an Hauptwerk (zwei Zinnmanubrien in den Klaviaturwangen)
Koppel Hauptwerk an Pedal
Koppel Echo an Pedal
Zug »Echo forte«: Öffnung der beiden oberen Füllungen im Untergehäuse

Stimmtonhöhe:   440 Hz bei 15° Celsius
Temperatur:   Neidhardt I
Winddruck:   67 mm WS in allen Werken


Ziel der Rekonstruktion war es, sämtliche neu zu bauenden Teile in Material, Bauart und Proportionen so genau wie möglich Schölerschen Vorbildern nachzugestalten. Ein organisches Ergebnis kann freilich nicht entstehen, wenn man Teile aus verschiedenen Orgeln kopiert und beziehungslos zusammenfügt. Obwohl die Orgeln Johann Wilhelm Schölers einen ausgeprägten Personalstil aufweisen, wobei eine gewisse Rationalisierung der Arbeitsweise erkennbar ist, handelt es sich keineswegs um Serieninstrumente, vielmehr ist jede seiner Orgeln ein individuell geschaffenes Kunstwerk. Es galt deshalb, der Individualität des ehemaligen Altwieder Werkes nachzuspüren. Jeder erkennbare Hinweis auf den ursprünglichen Zustand an den wenigen Originalteilen wurde so zur Gestaltungsgrundlage für das neu zu Schaffende. So ergaben sich beispielsweise die Abmessungen der Hauptwerkslade aus den vorhandenen Lagerspuren und den abgesägten Fragmenten des Prospektstockes in vier der fünf Prospektachsen. Auch die Frage der Labialpfeifenmensuration konnte geklärt werden. Johann Wilhelm Schöler leitete innerhalb einerOrgel die Weitenmensuren aller Labialregister nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten aus einer einzigen Grundreihe ab. Vergleicht man hingegen verschiedene Schöler-Orgeln, so sind die Mensuren gleicher Register nicht immer identisch; Schöler arbeitete demnach mit mehreren Reihen, die er wohl nach der Größe und Akustik der Kirche auswählte. Einige originale Prospektraster sowie Mensuraufrisse auf den erhaltenen Stockfragmenten erlaubten die Rekonstruktion der Grundreihe von Altwied.

Wie fast alle Schöler-Orgeln war die Orgel in Altwied ursprünglich ein seitenspieliges Brüstungswerk. Die Rekonstruktion steht zwar nicht in der Brüstung, weil die Empore bei der Neugestaltung des Kircheninneren 1924 zum Schiff hin verbreitert wurde, doch befand sich die Brüstungskante 1756 mit großer Wahrscheinlichkeit genau dort, wo die Orgel jetzt aufgebaut wurde, so daß der Lichteinfall dem früheren Zustand entspricht.

Die fehlenden Gehäuseteile wurden in Nadelholz ergänzt. Für die farbliche Angleichung der neuen Holzoberflächen an die alten, die wieder freigelegt wurden, sorgte Frau Gerti Wecker (Kirchenmalerin in der Fa. Hartmann/Bruchhausen); sie vergoldete auch die Lindenholzornamente und einige Gehäuseprofile.

Die drei Windladen für Hauptwerk, Echo und Pedal sind in allen Teilen aus massiver Eiche gefertigt. Prospekt- und Innenpfeifen des Hauptwerkes stehen auf einer Ebene, die Windverführungen zu den Prospektpfeifen sind kreuzungsfrei in den überhängenden Prospektstöcken, für welche die erhaltenen Fragmente wiederverwendet wurden, angelegt.

Die Spiel- und Registermechanik des seitenspieligen Werkes ist ebenso wie in Gemünden konstruiert;3 auf Wunsch der an der Planung beteiligten Organisten wurde zusätzlich eine Koppel Echo an Pedal gebaut, die bei Schöler nicht vorkommt. An keiner Stelle befinden sich Austuchungen. Hieraus resultiert eine leichtgängige und sensible Spielart, zu der auch die angeschwänzten Ventile beitragen.

Es widersprach denkmalpflegerischen Interessen nicht, das Pedal bis d1 auszubauen, weil das ohnehin nur in seiner Front erhaltene Gehäuse so nach hinten ergänzt werden konnte, daß seine Tiefe für den Einschub der breiteren Pedaltastatur ausreicht. Der Manualumfang wurde allerdings nicht über c3 hinausgeführt. Die im Originalzustand erhaltene Gehäusefront sowie das Schölersche Prinzip, allePfeifen des größten Principalregisters in den Prospekt zu stellen, gaben den Umfang von 49 Tasten vor.

Zur Windversorgung dient zunächst ein Schleudergebläse, das einen kleinen Magazinbalg in moderner Konstruktion versorgt. Es ist bekannt, wieviel eine Spanbalganlage zum Klangbild einer historischen Orgel aus dem 18. Jahrhundert oder einer Rekonstruktion beiträgt.4 Deshalb ist es vorgesehen, die zur Zeit den finanziellen Rahmen überschreitende Rekonstruktion dreier Spanbälge so bald wie möglich nachzuholen.5
Um alle Teile der Orgel nach Schölerschen Vorbildern gestalten zu können, waren Untersuchungen an mehreren seiner erhaltenen Werke nötig - die wichtigsten seien hier aufgeführt:

Kloster Altenberg bei Wetzlar (Hauptwerksregister einschließlich Trompete)

Gemünden/Westerwald (Echoregister6 einschließlich Vox humana, Spiel- und Registermechanik, Manualklaviaturen einschließlich der geschnitzten Wangen, Notenpult)

Andernach-Kell (Subbaß und Principalbaß, Details der Windladenkonstruktion)

Strinz-Trinitatis (Posaune)

Kettenbach/Aar (Labienform und -verlauf des Prospektes)

Heidenrod-Zorn (Ergänzungen des Gehäuses, Manubrien, Registerschilder, Stil der Pedaltasten)

Kördorf (Spanbälge)



Der Verfasser freut sich, daß Forschungsergebnisse aus seiner Dissertation unmittelbar nach deren Abschluß in die Praxis umgesetzt werden konnten. Allen, die das Orgelprojekt Altwied gefördert haben, gebührt Dank dafür, daß ein nicht alltägliches Instrument erntstehen konnte.

Die Einweihung der Orgel fand am 12. April 1992 in einem von Pfarrer Georg Buß gehaltenen Festgottesdienst statt, es spielte Sabine Paganetti. Für das Einweihungskonzert am selben Tage wurde Bernd Kämpf aus Neuwied verpflichtet.

Anmerkungen

1   Jürgen Rodeland: Die Orgelbauwerkstatt Schöler in Bad Ems. Ein Beitrag zur rheinischen Orgelgeschichte, München/Salzburg 1991 (hier sämtliche Quellenangaben).
2   1970 hatte man das anonyme Gehäuse auf ca. 1680 datiert.
3   Beschreibung: Wie Anm. 1, S. 168-170; Zeichnungen ebenda, S. 252f.
4   Vgl. Hans Martin Balz: Die Rekonstruktion einer dreimanualigen mittelrheinischen Orgel des 18. Jahrhunderts in der Schloßkirche Bad Homburg, in: Ars Organi, Heft 1/1991, S. 34.
5   Eine erhaltene Anlage Schölers wurde bereits detailgenau aufgemessen.
6   Für die Überlassung seiner Mensuraufnahme des Gemündener Echowerkes sei Herrn Orgelbaumeister Gerald Woehl, Marburg, gedankt.


Dieser Artikel erschien zuerst in Ars organi, 41. Jahrgang 1993, S. 27-31. Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verfassers und der Schriftleitung von Ars Organi.


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Vallendar, catholic parish church
Bejing, Concert Hall of the National China Radio
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